Auch in Oberhausen: Produktionsschulen vor dem Aus

Für die beiden ZAQ-Geschäftsführer Jochen Kamps und Udo Beier steht fest, dass die vor vier Jahren eingeführten Produktionsschulen auch unter der neuen Landesregierung Bestand haben müssen. Im Gespräch mit den beiden Abgeordneten Sonja Bongers und Stefan Zimkeit stellen diese und Magdalena Hassa, Projektleiterin des Zentrums für Ausbildung und berufliche Qualifikation (ZAQ), die Notwenigkeit der Beibehaltung eindrucksvoll dar.

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Die Jugendlichen und junge Erwachsenen, die die Produktionsschulen besuchen, kommen aus problematischen Familienverhältnissen. Für Magdalena Hassa gehört der Umgang mit äußerst schwieriger Klientel zum Alltag. Mit Ihrem Team versucht sie, die Teilnehmer zu qualifizieren und auf eine Tätigkeit in einem Unternehmen vorzubereiten. Die Teilnehmer hätten zumeist eine unterbrochene „Kindheits- und Schulbiographie“, so Hassa. Viele kämen aus schwierigen Familien kommen und nur Wenige würden ahnen, wie man sich in Betrieben zu benehmen hat. In der Produktionsschule erführen sie das erste Mal, dass sich jemand um sie kümmert und individuell auf sie eingeht.

Mit Hilfe der Produktionsschulen, von Arbeitsagentur, Land und EU gefördert, versuchen das ZAQ und Die Kurbel in Oberhausen, 78 junge Leute mit traurig-bewegter Geschichte in eine berufliche Zukunft zu führen. In individuellen Gesprächen lernen die Teilnehmer verschiedene Gewerke kennen und werden individuell auch unter Berücksichtigung der einzelnen Lerngeschwindigkeit an diese herangeführt. Zur Auswahl stehen unter anderem eine Schreinerei, die Metallverarbeitung, das Friseurhandwerk und Lagerarbeiten. Das Programm dauert bis zu zwei Jahren.

Jetzt ist dieses Projekt allerdings gefährdet, weil NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) seine Gelder lieber anderweitig ausgeben möchte. Nach den Vorstellungen des Ministers sollen die jungen Erwachsenen zukünftig nicht mehr gefördert werden. Auch soll die verbleibende Förderung auf zwölf Monate begrenzt werden. „Damit fallen viele junge Erwachsene durch den Rost – und für unsere Jugendlichen aus so prekären Verhältnissen reichen zwölf Monate nicht aus, um sie für eine Lehre oder Arbeit zu befähigen“, ist Hassa nach ihren Erfahrungen überzeugt: „Das ist sozialpolitisch unverantwortlich.“

„Damit sorgen wir nur für neue Langzeitarbeitslose – das kostet auf Dauer sehr viel mehr“, sagt die Abgeordnete Sonja Bongers. Ihr Kollege Stefan Zimkeit hält die geplante Reduzierung auf zwölf Monate für falsch. „Laumann verkennt die Realität des Klientels: Sie ist noch nicht so weit, schnell in einem Betrieb anzufangen – dort droht dann ein Desaster.“

Die Forderung der beiden SPD-Politiker und der beiden ZAQ-Geschäftsführer Jochen Kamps und Udo Beier lautet: Die schwarz-gelbe Landesregierung soll die Produktionsschulen unbedingt erhalten.

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