„Die Landesregierung spricht immer von Priorität für Bildung, aber bei den Lehrkräften vor Ort kommt das nicht an“, sagte Wibke Poth bei einem Treffen mit den Oberhausener SPD-Landtagsabgeordneten. Die Gewerkschafterin Poth ist Stadtverbands- und stellvertretende Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).
Im Gespräch mit Sonja Bongers, Frederick Cordes und Stefan Zimkeit in der Landwehrschule forderte sie mehr „Multiprofessionalität“. Um die Lehrkräfte zu entlasten, brauche man mehr Schulverwaltungsassistenten und müsse verhindern, dass die Stellen der Alltagshelfer auslaufen, so Poth. Die Landesregierung glaube, dass diese nur dann gebraucht würden, wenn es unbesetzte Lehrerstellen gibt. „Das ist sehr naiv“, wies Poth auf die großen Herausforderungen an den Schulen hin. Der Abgeordnete Zimkeit unterstrich die Notwendigkeit der Schulsozialarbeit. „Hier ist eine Neuordnung notwendig. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Sozialarbeiter zum Teil beim Land und zum Teil bei den Trägerverbänden angestellt sind.“
Eine Forderung des VBE ist die Schaffung kleinerer Lerngruppen. „Wir haben mehr Kinder, aber nicht mehr Schulen“, kritisierte Wibke Poth. Und die Schülerschaft werde auch in Oberhausen immer heterogener. „Eine Klasse mit 30 Kindern, da kann man nicht mehr jedem Kind gerecht werden.“
Frederick Cordes sprach sich für eine Ausweitung der Bildungsfinanzierung aus. „Man spart Geld, wenn man es am Anfang reinsteckt..“ Denn jeder Euro, der in die frühe Bildung investiert werde, zahle sich langfristig aus, so der SPD-Abgeordnete. Es sei ein Riesenproblem, dass in NRW jedes Jahr 33.000 junge Menschen die Schule ohne Anschlussperspektive verlassen.
Ein Erfolg, für den sich unter anderem der VBE und die SPD jahrelang eingesetzt haben, ist die höhere Besoldung vieler Lehrkräfte. Auch die an den Grundschulen verdienen inzwischen A13 – was laut VBE aber andere Probleme nach sich zieht. So müsse nun auch die Besoldung der Konrektorinnen angepasst werden, so Poth. Zimkeit, personalpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, sagte, der öffentliche Dienst müsse insgesamt attraktiver werden. Er vermisst bei der Landesregierung den Willen, gemeinsam mit den Gewerkschaften einen „großen Wurf“ zu wagen.
Sybille Hufschmidt, Leiterin der Landwehrschule, wies auf den Lehrermangel hin, insbesondere bei den Förderschullehrkräften. „Sie sind als Beraterinnen ein unschätzbares Gut“, sagte sie aus der Sicht ihrer Grundschule, die sich für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung einsetzt.


